Stärken von Neurodivergenz

Auf der einen Seite gibt es neurotypische Menschen, das sind etwa 90% der Bevölkerung.  Ihr Denken und Fühlen entspricht dem gesellschaftlich akzeptierten Standard. Das trifft auf etwas mehr als 90% aller Menschen zu. Auf der anderen Seite stehen Menschen, die als neurodivergent bezeichnet werden. Dazu gehören etwa 10% Menschen mit Autismus, ADHS, Dyslexie und Dyskalkulie und noch einigen anderen Ausprägungen. Wichtig dabei ist zu wissen, dass neurodivergente Menschen ihren Autismus, ADHS usw. nicht im Laufe ihres Lebens erworben haben, sondern bereits so geboren wurden. Neurodivergenz wird also vererbt. Was man heute weiß: neurodivergente Mitarbeiter denken anders, manchmal kreativer und in einigen Fällen auch innovativer.

Neurodivergenz

Herausforderungen für autistische Menschen

Menschen mit Autismus haben oft Probleme mit der Perspektivübernahme von anderen (Theory of Mind), das heißt, es fällt ihnen sehr schwer, sich in die Situation anderer hineinzuversetzen, beispielsweise, dass die konkreten Absichten der Gesprächspartner nicht erkannt werden. Dazu gehört auch das Erkennen und Interpretieren nonverbaler Signale. Als selbstverständlich vorausgesetzte soziale Regeln werden oft missinterpretiert. Letztlich verstehen sie auch vieles wortwörtlich, was nicht wörtlich gemeint ist. Die Kommunikation ist meistens sehr direkt und zielgerichtet, soziale Schnörkel kommen oft nicht vor. Small-Talk, gesellige Runden und Feiern sind sehr oft die reinste Qual für Autisten. Das alles stellt natürlich eine Herausforderung für beide Seiten dar.

Stärken von autistischen Menschen

Wenn wir bei dem Beispiel Autismus bleiben, gibt es gute Gründe, diese besonderen Stärken immer und immer wieder hervorzuheben. Was ist der Grund dafür, dass etwa 30% aller Software-Entwickler im Silicon Valley Autisten sind? Zunächst einmal haben sie 2-3 besondere Interessen, auch Spezialinteressen genannt. Das kann zum Beispiel das Thema IT sein, kann aber auch jedes andere Thema sein. Wenn Autisten aber ein Spezialinteresse haben, dann wird das exzessiv ausgeübt und man kann davon ausgehen, dass sie dann auch echte Spezialisten auf diesem Feld sind. In diesen Fällen sind sie selbstverständlich geeignet für Aufgaben in einem Unternehmen. Zudem haben sie sozusagen ein angeborenes Qualitätssicherungssystem, das Fehler sofort erkennt. Diese Stärke gepaart mit ihrer Detailgenauigkeit macht sie in allen unternehmerischen Bereichen zu extrem wertvollen Mitarbeitern. Aber warum sind sie in bestimmten Bereichen auch noch kreativ? Weil sie eine Begabung für Mustererkennung mitbringen. Mustererkennung ist die Basis jeglicher Künstlicher Intelligenz. Meine persönliche Formel dafür lautet „Autismus = Mustererkennung = KI“. Das bedeutet, dass autistische Mitarbeiter:innen absolut geeignet für das ganze Thema KI sind. Damit steigen auch die Jobchancen für Autisten.

Hinzu kommen außerordentliche Stärken im Bereich Qualitätssicherung, unter anderem ihre Detailorientierung und Präzision sowie ein „eingebautes“ Qualitätssicherungssystem, das auch kleinste Abweichungen sofort erkennt.

Bei der Arbeitsplatzsuche für Autist:innen sollte man unbedingt darauf achten, dass der Arbeitsbereich der Unternehmer:innen mit den besonderen Spezialinteressen / Leidenschaften der autistischen Bewerber:innen möglichst passgenau ist.

Abgerundet wird das Bild von Autist:innenen mit einer Eigenschaft, die im Leben nicht so besonders häufig ist: sie sind absolut ehrlich!! Sie können in der Regel nicht lügen, nicht betrügen und nicht täuschen. Ich habe die Zeit mit ihnen einfach genossen, weil diese Ehrlichkeit alles so einfach macht.